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Presseartikel zum Deutschen Seniorentag in Hannover

Altenbeteiligung vs. Jugendbeteiligung - eine Gegenüberstellung
(von Andreas Steyer/politikorange, www.politikorange.de)

In vielen Foren und Symposien des Seniorentages hörte man die gleichen Klagen: Senioren säßen nicht an den Schalthebeln der Macht, es würde über ihre Köpfe hinwegentschieden und nur durch harte Lobbyarbeit könne man etwas durchsetzen. Wer einmal auf vergleichbaren Jugendveranstaltungen war, kennt ähnliche Beschwerden vom anderen Ende der Alterspyramide. Und im Verlauf des Seniorentages wurde klar: Auch die Rezepte sind gleich. Alte und Junge setzen auf Netzwerke und regionale Unterstützung.

Altenbeteiligung – Vom regionalen Seniorenbüro bis zur UN

Seniorenbeiräte sind in vielen Gemeinden längst etabliert. Landesweit vernetzt werden sie in den gut arbeitenden 16 Landesseniorenräten. Die Bundesseniorenvertretung wurde allerdings vor kurzem aufgelöst. Ihre Nachfolgeorganisation, die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Seniorenvertretungen, soll nur eine Interimslösung sein. „Wir wollen wieder eine starke Bundesseniorenvertretung aufbauen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrates Niedersachsen, Hans Bielefeld (77). Zweite Säule in der kommunalen Seniorenbeteiligung sind die Seniorenbüros mit hauptamtlichen Mitarbeitern. „Die Büros fördern Seniorenprojekte, sammeln Informationen, führen Veranstaltungen durch und organisieren Erfahrungsaustausch“, beschreibt die stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BAS), Wilma Ganz. Das BAS-Büro in Bonn, mit 1 ½ Stellen ausgestattet und vom Bundesfamilienministerium gefördert, organisiert die jährliche Mitgliederversammlung und, Seminare für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der kommunalen Büros. Die BAS ist auch Mitglied in der EURAG, dem Bund der älteren Generation Europas. Dieses europaweite Kompetenznetzwerk fördert den Erfahrungsaustausch zwischen den Ländern und versucht lokale Netzwerke auf die europäische Ebene zu bringen. Der Einfluss reicht bis in die UN. Marianne Seger ist ständige Beobachterin mit Beraterstatus für die EURAG bei der ECOSOG, dem Wirtschafts- und Sozialrat der UN, in Genf und New York. Ihre Lobbyarbeit dort muss sie allerdings selbst finanzieren: „Dann schlafe ich eben nicht im Hotel, sondern in der Jugendherberge. Das macht mir gar nichts aus“, weiß sich die resolute 69jährige zu helfen.

Jugendbeteiligung – Expertennetzwerk und regionale Servicestellen

Erstaunliche Parallelen lassen sich im Bereich Jugendbeteiligung erkennen. So bauen zur Zeit in verschiedenen Orten in Deutschland Teams von Jugendlichen regionale Servicestellen Jugendbeteiligung auf, deren Aufgaben sich größtenteils mit denen der Seniorenbüros decken. Auch die regionalen Servicestellen sollen Projekte – natürlich Jugendprojekte – beraten und unterstützen, auch sie sollen für Informationsaustausch und Vernetzung sorgen. Der Unterschied: Die regionalen Servicestellen arbeiten ehrenamtlich. Auch hier gibt es ein Unterstützungsbüro auf Bundesebene. Die Servicestelle Jugendbeteiligung, vom gleichen Ministerium gefördert, allerdings mit 3 Stellen ausgestattet, koordiniert das Netzwerk der regionalen Servicestellen, vermittelt Fortbildung und unterstützt mit Infomaterial und Tools. Von der Servicestelle Jugendbeteiligung wird parallel ein Expertennetzwerk aufgebaut. Der bundesweite Infoscoutpool, der aktive Jugendliche als Einzelpersonen vernetzt. Infoscouts beraten Stiftungen und Politik bei der Konzeption von Förderprogrammen für Jugendliche, sie geben ihre Erfahrungen an Jugendprojekte weiter und informieren und vernetzen die Teilnehmer von Jugendveranstaltungen. Ein weiteres Netzwerk ist das politikorange-Netzwerk, der Herausgeber dieser Zeitung (mehr Infos auf Seite 14).
Viele Parallelen also. Und so fand man auf dem Seniorentag zwei Flyer: Einen orangenen Flyer mit der Überschrift „Werde Infoscout“ – und einen blassgrünen mit dem Titel „Werden Sie aktiver Senior-Scout“ (www.senior-scouts.de ).


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